Abmahnwelle gegen Songtext-SeitenWeblog
Rechteverwerter finden neue Profitquelle
Früher war alles besser. Da wollten gesellschaftskritische Bands durch aufsehenerregendes Verhalten, aufsehenerregende Musik und vor allem aufsehenerregenden Texten ihren Beitrag zur zeitgenössischen Popkultur beitragen.
Da galten Radiosender als Kulturfilter. Deren Inhalte, die Songtexte...ja die hörte man aus den unzähligen dort gespielten Liedern raus. Fortgeschrittene Musikfreunde konnten sogar die Noten dieser Songs herausfiltern und damit das Warmspielreprepertoir der örtlichen Musikband bereichern.
Dieser Lokalaktivismus konnte von den Musikkonzernen und deren Rechteverwertern nicht wirklich unterbunden werden, ganz gleich wie gerne sie ihre überteuerten Songbooks an die potentiellen, oder wie man es heute gerne nennt, "entgangenen" Konsumenten, verkauft hätten.
Demokratie...
Doch heute ist alles anders: Heute reicht es, wenn ein einzelner den Liedtext raushört: Einmal veröffentlicht im Internet stehen die Ergebnisse jedem zur Verfügung. Songtexte, Tabulatoren (Tabs) und Akkorde (Chords): All dies sind die Inhalte, die die Fans ungestört verbreiten und zelebrieren dürfen, so bisher die weitläufige Meinung.
...oder Kapitalismus?
März 2005 sollten jedoch 42 Websites eines besseren belehrt werden: Eine berliner Anwaltskanzlei verschickte im Auftrag verschiedener berliner Musikverlage insgesamt 226 Abmahnungen. Honorar für die Anwaltskanzlei pro standardisiert verfasster und nur geringfügig angepasster Abmahnung: 1600,57 €. Immer wieder lustig wie die krummen Alibi-Cent-Beträge der an sich runden Summe entstehen...
Ein sehr hoher Stundenlohn wenn man bedenkt, dass auch ein Praktikant die Tätigkeit des Datensammelns und Abmahnanpassens hätte ausführen können. Immerhin: Die ganze Aktion soll der Anwaltskanzlei über 360 000 Euro einbringen. Die Ausgleichsforderungen der Verlage selbst sind ungleich höher.
Mit Granaten auf Spatzen
Den Irrsin der immer höher werdenden Abmahnungspauschalen und dubioser grotesk hoher Honorare für Anwaltsauslagen werfen kein gutes Licht auf die Geldeintreiber: Seriöse Anbieter lassen die Missetäter zumindestens in einem ersten Abmahnungsschreiben bei Gebühren von 0 bis 10 Euro die Chance unerlaubte Inhalte zu entfernen.
Warum die Wirtschaft mit aller Gewalt versucht die Konsumenten zu vergraulen und in den Konsumboykott zu treiben ist mir unklar. Die durch solche Aktionen erlangte kurzfristige Finanzspritze erscheint mir nur auf den ersten Blick attraktiv für die Rechteverwerter. Denn solche einschneidende Erlebnisse prägen die Menschen.
Es ist schade, wie sehr die Wirtschaft das Vertrauen der Bürger in die Gesetze zerstört, indem sie kulturelle Entfaltung und Informationsfreiheit verhindert und die Demokratie und die Bedeutung dieses Wortes als ad absurdum deklariert.
Ergänzende Artikel
Tod Einer Webkultur, Kultur contra Profitmaximierung
Weitere Informationen
kampfumsongtexte.de

Da galten Radiosender als Kulturfilter. Deren Inhalte, die Songtexte...ja die hörte man aus den unzähligen dort gespielten Liedern raus. Fortgeschrittene Musikfreunde konnten sogar die Noten dieser Songs herausfiltern und damit das Warmspielreprepertoir der örtlichen Musikband bereichern.
Dieser Lokalaktivismus konnte von den Musikkonzernen und deren Rechteverwertern nicht wirklich unterbunden werden, ganz gleich wie gerne sie ihre überteuerten Songbooks an die potentiellen, oder wie man es heute gerne nennt, "entgangenen" Konsumenten, verkauft hätten.
Demokratie...
Doch heute ist alles anders: Heute reicht es, wenn ein einzelner den Liedtext raushört: Einmal veröffentlicht im Internet stehen die Ergebnisse jedem zur Verfügung. Songtexte, Tabulatoren (Tabs) und Akkorde (Chords): All dies sind die Inhalte, die die Fans ungestört verbreiten und zelebrieren dürfen, so bisher die weitläufige Meinung.
...oder Kapitalismus?
März 2005 sollten jedoch 42 Websites eines besseren belehrt werden: Eine berliner Anwaltskanzlei verschickte im Auftrag verschiedener berliner Musikverlage insgesamt 226 Abmahnungen. Honorar für die Anwaltskanzlei pro standardisiert verfasster und nur geringfügig angepasster Abmahnung: 1600,57 €. Immer wieder lustig wie die krummen Alibi-Cent-Beträge der an sich runden Summe entstehen...
Ein sehr hoher Stundenlohn wenn man bedenkt, dass auch ein Praktikant die Tätigkeit des Datensammelns und Abmahnanpassens hätte ausführen können. Immerhin: Die ganze Aktion soll der Anwaltskanzlei über 360 000 Euro einbringen. Die Ausgleichsforderungen der Verlage selbst sind ungleich höher.
Mit Granaten auf Spatzen
Den Irrsin der immer höher werdenden Abmahnungspauschalen und dubioser grotesk hoher Honorare für Anwaltsauslagen werfen kein gutes Licht auf die Geldeintreiber: Seriöse Anbieter lassen die Missetäter zumindestens in einem ersten Abmahnungsschreiben bei Gebühren von 0 bis 10 Euro die Chance unerlaubte Inhalte zu entfernen.
Warum die Wirtschaft mit aller Gewalt versucht die Konsumenten zu vergraulen und in den Konsumboykott zu treiben ist mir unklar. Die durch solche Aktionen erlangte kurzfristige Finanzspritze erscheint mir nur auf den ersten Blick attraktiv für die Rechteverwerter. Denn solche einschneidende Erlebnisse prägen die Menschen.
Es ist schade, wie sehr die Wirtschaft das Vertrauen der Bürger in die Gesetze zerstört, indem sie kulturelle Entfaltung und Informationsfreiheit verhindert und die Demokratie und die Bedeutung dieses Wortes als ad absurdum deklariert.
Ergänzende Artikel
Tod Einer Webkultur, Kultur contra Profitmaximierung
Weitere Informationen
kampfumsongtexte.de
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